Tiemann_Malin_BA_Die Rolle der Nachbarschaft in der Bereitstellung von Unterstützungsstrukturen für ältere Erwachsene in unterschiedlichen Wohnformen
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Resource ID
38
Access
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Contributed by
Dr. Henrik Schultze
Keywords UrbanOpen
Stadtsoziologie, qualitative Methoden
Other
Solidarität, Care, Nachbarschaft, Netzwerke
Named person(s)
Malin Luise Tiemann
Date
13 December 2024
Credit
Malin Luise Tiemann
Document extract
Die Rolle der Nachbarschaft in der Bereitstellung von Unterstützungsstrukturen für ältere Erwachsene in unterschiedlichen Wohnformen. Eine qualitative Inhaltsanalyse anhand von Interviews mit alleine Alternden und Bewohner:innen eines Seniorenwohnhauses im Rollbergkiez, Berlin
Malin Tiemann
Abstract
Die demografische Entwicklung in Europa und Deutschland zeigt einen Anstieg der alternden Bevölkerung und damit einhergehende wachsende Herausforderungen in der Versorgung älterer Erwachsener. Aufgrund veränderter familiärer Strukturen gewinnen nachbarschaftliche Unterstützungsnetzwerke an Bedeutung (Enßle et al., 2022; Mahne et al., 2017). Diese Untersuchung analysiert, in welcher Wohnform – Seniorenwohnhaus oder reguläres Wohnhaus – nachbarschaftliche Unterstützungsstrukturen besser funktionieren und häufiger genutzt werden. So soll ein explorativer Einblick in die Dynamik nachbarschaftlicher Unterstützungsstrukturen gewonnen werden. Die theoretische Grundlage dieser Arbeit für ein umfassenderes Verständnis von Unterstützung und Care bietet Joan Tronto in ihrem Werk "An Ethic of Care" (Tronto, 1998). Tronto definiert Care als ein moralisches und politisches Konzept, das über die enge Bedeutung von „Pflege“ als spezifische Tätigkeit wie Kinderbetreuung oder Alten- und Krankenpflege hinausgeht. In Bezug auf die räumliche Struktur und Nachbarschaft wurde sich auf Gardner (2011) bezogen, die die Nachbarschaft in
unterschiedliche, signifikante Zonen aufteilt. Im Rahmen der Bachelorarbeit wurden vier Interviews mit über 70-Jährigen aus dem Rollbergkiez in
Berlin-Neukölln geführt – zwei aus einem Seniorenwohnhaus, zwei aus einem regulären Wohnhaus. Die Interviews wurden transkribiert, in MAXQDA codiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet (Mayring, 1994; Mayring & Fenzl, 2019). Die Ergebnisse zeigen, dass besonders langfristige Nachbarschaftsbeziehungen den Zusammenhalt fördern. Ein Verbundenheitsgefühl mit der Nachbarschaft stärkt die Care-Tätigkeiten in dieser (Hidalgo et al., 2021). Gentrifizierung und Fluktuation können diese Strukturen jedoch negativ beeinflussen. Ältere Menschen übernehmen nicht nur Hilfeempfängerrollen, sondern tragen aktiv zu Unterstützungsstrukturen bei. Care-Geben kann eine sinnstiftende Aufgabe sein, die soziale Integration stärkt. Seniorenwohnhäuser bieten mehr formelle Unterstützung, die jedoch oft zu geschlossenen Gemeinschaften führt und die Vernetzung mit der weiteren Nachbarschaft einschränkt. In regulären Wohnhäusern ist nachbarschaftliche Unterstützung stärker von Eigeninitiative abhängig. Ein Muster zeigt sich: Wer viel Unterstützung gibt, erhält oft auch viel Unterstützung. Die Qualität nachbarschaftlicher Netzwerke basiert auf Reziprozität und intakten Beziehungen. Ohne formelle Angebote wie Gemeinschaftsräume erfordert es mehr Anstrengungen, um stabile Netzwerke zu etablieren. Halb-öffentliche Räume wie Hausflure spielen dabei eine Schlüsselrolle (Gardner, 2011). Unterstützende Nachbarschaftsbeziehungen tragen wesentlich zur Lebenszufriedenheit im Alter bei. Während Seniorenwohnhäuser interne Unterstützung erleichtern, fördern reguläre Wohnhäuser
flexiblere Netzwerke, die jedoch mehr Eigeninitiative erfordern. In strukturell diversen Quartieren wie dem Rollbergkiez ist es essenziell, natürliche Unterstützungsnetzwerke aktiv zu stärken. Angesichts des demografischen Wandels wird die Nachbarschaft künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.
Caption
Die Rolle der Nachbarschaft in der Bereitstellung von Unterstützungsstrukturen für ältere Erwachsene in unterschiedlichen Wohnformen. Eine qualitative Inhaltsanalyse anhand von Interviews mit alleine Alternden und Bewohner:innen eines Seniorenwohnhauses im Rollbergkiez, Berlin